Andreas Kempf/dpa
Nach Gewaltserie 16.03.2026

Sicherheitsdienst an Schule: Das steckt dahinter

«Wohin wollen Sie?» Eine Frau mit gelber Weste verwehrt am Haupteingang der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm den Zugang zum Gebäudeteil B7/S5. Die Szene erinnert an Bilder aus den USA, wo man mit strengen Kontrollen Schüler nach Waffen und Drogen durchcheckt. So weit geht man in diesem in Baden-Württemberg einzigartigen Fall nicht. Der Sicherheitsdienst an einer Berufsschule in Ulm soll laut Stadt vor allem Präsenz zeigen – und die Szenerie beobachten. Abschreckung ist offenbar die Hauptaufgabe.

Gewaltserie sorgt für Probleme

Auslöser für die ungewöhnliche Maßnahme war eine Serie von Gewalttaten. Darüber spricht Schulleiter Lorenz Schulte mit Journalisten jedoch nicht. Er lässt auf seine Verlautbarung auf der Homepage der Schule verweisen. «Unser Ziel ist ein ruhiger und verlässlicher Schulalltag für alle Beteiligten. Der Sicherheitsdienst ist ein ergänzender Baustein in einem abgestimmten Präventionskonzept von Schule, Stadt und Polizei.» 

Wichtig sei: «Die Maßnahme ist räumlich sehr begrenzt und betrifft nur einen Eingang eines Gebäudes», wird der Rektor auf der Webseite zitiert. «Die aktuellen Herausforderungen betreffen nur einen kleinen Teilbereich des Schulbetriebs.»

Verabredung zu Schlägereien?

Vor dem Ulmer Schulbeirat klagte Schulte im vergangenen Herbst über «Massenkeilereien und Bisswunden». Schüler würden sich zu Schlägereien verabreden. Zudem seien Erwachsene auf dem Gelände, von denen man nicht wisse, was sie dort wollten. 

Der Rektor beklagte im Ulmer Rathaus, dass die Schüler gegenüber Lehrerinnen keinen Respekt zeigten. Seine Kolleginnen hätten Angst. Er forderte bei der Sitzung Ende September konkrete Maßnahmen, um weitere Gewalt zu verhindern. Tatsächlich berieten dann Stadt, Polizei und sogar das Regierungspräsidium Tübingen darüber, wie man gegensteuern konnte. Und als Konsequenz zog die Stadt offenbar die Reißleine.

Nur bestimmte Klassen der Berufsschule im Fokus

Im Mittelpunkt stehen offenbar die sogenannten VABO-Klassen  – das Kürzel steht für «Vorbereitung Arbeit Beruf ohne Deutschkenntnisse». Der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg sieht in den Vorfällen einen Beleg für die mangelnde Unterstützung im Umgang mit oft traumatisierten Flüchtlingen ohne Deutschkenntnisse. Nur sieben Prozent der Schulen hätten genügend Zeit für die Beziehungsarbeit, so der Verband in einer Mitteilung aus dem vergangenen Oktober.

Ein Sprecher der Stadt Ulm spricht von zwei konkreten Fällen, an denen vor allem schulfremde Personen beteiligt gewesen seien. Nach einem Bericht der Ulmer Polizei von Mitte Januar mussten die Beamten auf dem Ulmer Kuhberg anrücken, weil ein 15-Jähriger versucht haben soll, einen 17-Jährigen im Flur der Steinbeis-Schule anzugreifen. Befürchtet wurde eine Messerattacke. Der Tatverdächtige hatte aber keine Waffe dabei. Es gehöre nicht zur Schule, hieß es in dem Bericht. 

«Schulfremde» sollen keinen Zugang bekommen

Solche schulfremden Leute sollen nun keinen Zugang mehr bekommen. Die Kontrollen selbst nehmen die Schüler gelassen. «Sicherheit ist doch gut», meint eine 17-jährige Schülerin. «Man kann es aber auch übertreiben», grummelt ein Jugendlicher im Vorbeilaufen. Von Aggressionen wollen die angesprochenen Schüler nichts mitbekommen haben.

Die jungen Leute müssen jetzt ihre Ausweise vorzeigen. Deshalb kramen einige vor der Eingangstüre nervös in Taschen und Jacken nach ihrem Dokument. Dort bildet sich eine kleine Schlange, doch lange warten müssen die Schüler nicht. Wer auf der Kontroll-Liste steht, bekommt einen Stempel auf den Handrücken und darf durch. 

So viel kostet die Maßnahme

Die Zugangskontrollen sollen bis zu den Sommerferien anhalten. «Danach wollen die Beteiligten evaluieren, wie es konkret mit eventuellen Schutzmaßnahmen weitergeht», teilt ein Sprecher der Stadt Ulm auf Nachfrage mit. Er beziffert den Aufwand auf 65.000 Euro.

Das Rektorat betont, dass nur sieben Klassen mit 124 Schülern von den Kontrollen betroffen seien. Die Berufsschulen und das Gymnasium auf dem Ulmer Kuhberg besuchen rund 2.200 junge Leute.

Hausrecht und Platzverweise

Die Sicherheitsleute seien befugt, einzugreifen. Doch Ziel sei Deeskalation, teilt die Stadt mit. Die Kräfte können das Hausrecht durchsetzen und in Abstimmung mit der Schulleitung auch Platzverweise aussprechen. «Hoheitliche Befugnisse liegen weiterhin ausschließlich bei der Polizei», betont die Stadt. 

Die Eingangskontrolle an der Ulmer Schule ist nach einer Umfrage unter den vier Regierungspräsidien im Land offenbar einzigartig. Die Behörde in Stuttgart kennt lediglich eine Privatschule, die Sicherheitskräfte beschäftigt, nennt aber keine Details. In Freiburg sind in den Abendstunden Wachleute an einer Schule aktiv im Einsatz – das Gelände befinde sich in der Nähe eines Drogenumschlagplatzes und sei wegen eines Abendgymnasiums frei zugänglich. Dort sollen die Kräfte Unbefugte vor allem aus der Drogenszene fernhalten.

Quelle: dpa

Zur Übersicht

Auch interessant