Nach über 50 Jahren fliegen im Rahmen der Artemis-2-Mission erstmals wieder vier Astronauten zum Mond. Der Countdown für den historischen Start der gewaltigen SLS-Rakete läuft bereits auf Hochtouren.
Der Countdown für die Mondmission Artemis 2 ist offiziell aktiviert. Am Montag um 22:44 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit begannen am Kennedy Space Center in Florida die finalen Vorbereitungen für den Start. Die knapp 100 Meter hohe Schwerlastrakete SLS (Space Launch System) steht auf der Startrampe 39B bereit. Nach einer rund 50-stündigen Vorbereitungsphase erreicht der Countdown in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, am 2. April 2026, den Nullpunkt. Zu diesem Zeitpunkt zünden die mächtigen Triebwerke und befördern die Menschheit zurück in Richtung des Erdtrabanten.
Mit an Bord ist eine vierköpfige Crew, die eine neue Ära der bemannten Raumfahrt einläutet. Kommandant Reid Wiseman leitet den Flug und bringt, genau wie Pilot Victor Glover und Missionsspezialistin Christina Koch, wertvolle Erfahrung aus früheren Langzeitmissionen auf der Internationalen Raumstation (ISS) mit. Komplettiert wird das Team durch den kanadischen Astronauten Jeremy Hansen, der auf diesem Flug sein Debüt im Weltraum gibt. Die Zusammensetzung der Besatzung spiegelt die internationale und gesellschaftliche Ausrichtung der aktuellen Raumfahrtprogramme wider. Christina Koch hält bereits den Rekord für den längsten ununterbrochenen Weltraumaufenthalt einer Frau und schreibt nun als erste Frau auf einer Mondmission erneut Geschichte. Victor Glover fliegt als erster Raumfahrer mit afroamerikanischen Wurzeln zum Mond, während Jeremy Hansen den ersten internationalen Partner auf einer solchen Mission repräsentiert.
Das Orion-Raumschiff trägt den Namen „Integrity“ und dient den Astronauten für die Dauer der etwa zehntägigen Reise als Heimat. Die Raumkapsel bietet mit neun Kubikmetern nutzbarem Lebensraum deutlich mehr Platz als die Kapseln des Apollo-Programms. Zunächst kreist die Integrity in einer elliptischen Bahn um die Erde. Anschließend liefert das europäische Servicemodul den entscheidenden Schub für die Transferbahn in Richtung Mond. Die Kapsel landet nicht auf der Oberfläche, sondern umrundet den Erdtrabanten in einer minimalen Entfernung von rund 7.400 Kilometern. Dabei überfliegt die Besatzung den lunaren Südpol und sammelt wichtige visuelle und telemetrische Daten. Die Integrity nutzt daraufhin die Gravitation des Mondes, um Schwung für den Rückflug zur Erde aufzunehmen.
Der aktuelle Flug stellt eine essenzielle Generalprobe für die zukünftige Erschließung des Mondes dar. Die bei Artemis 2 gewonnenen Erkenntnisse über die Lebenserhaltungssysteme, den Hitzeschild und die Navigation fließen direkt in die Planung der Folgemissionen ein. In den darauffolgenden Jahren setzen wieder Astronauten Fuß auf die Mondoberfläche. Der langfristige Plan umfasst die Errichtung einer dauerhaften Präsenz auf dem Mond, die gleichzeitig als Sprungbrett für spätere Missionen zum Mars fungiert. Parallel dazu treiben private Raumfahrtunternehmen wie SpaceX und Blue Origin die Entwicklung ihrer eigenen Mondlander mit Hochdruck voran.
Am Ende der Mission steht der feurige Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bevor. Die Orion-Kapsel trifft mit einer Geschwindigkeit von rund 40.000 Kilometern pro Stunde auf die äußeren Luftschichten. Der Hitzeschild muss dabei Temperaturen von fast 2.800 Grad Celsius standhalten. Nach einer kurzen Phase ohne Funkkontakt öffnen sich die Fallschirme und bremsen das Raumschiff auf eine sichere Landegeschwindigkeit ab. Die Wasserung erfolgt schließlich im Pazifischen Ozean vor der Küste der Baja California. Dort nimmt das Bergungsschiff USS San Diego die Kapsel samt Besatzung in Empfang und schließt das historische Kapitel von Artemis 2 erfolgreich ab.