Die Kommunalwahl in Bayern ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein spannender Termin. Besonders interessant wird es, wenn eine Stichwahl nötig ist - zum Beispiel bei der Wahl des Bürgermeisters oder des Landrats. Häufig fällt die Entscheidung erst in einer zweiten Runde. Am Sonntag wurde daher in 29 Landkreisen und in mehr als 260 Gemeinden in Bayern erneut gewählt.
Große Sensation in München
Die größte Überraschung der Kommunalwahl Bayern 2026 gab es in München. Dominik Krause von den Grünen gewann die Stichwahl mit 56,4 Prozent. Er wird damit erster grüner Oberbürgermeister der Landeshauptstadt. OB Dieter Reiter galt lange als unangefochtener Favorit, er räumte noch am Stichwahl-Abend Fehler ein, gratulierte Krause und verkündete gleichzeitig das Ende seiner politischen Laufbahn.
SPD gewinnt in mehreren Städten
Auch die SPD holte starke Ergebnisse bei der Bürgermeisterwahl Bayern. In Augsburg gewann Florian Freund mit 57 Prozent gegen Eva Weber von der CSU. In Regensburg siegte Thomas Burger mit 53 Prozent. Dazu kamen klare SPD-Erfolge in Bayreuth, Bamberg, Rosenheim und Schweinfurt.
Freie Wähler legen stark zu
Bei der Landratswahl Bayern waren die Freien Wähler besonders erfolgreich. Sie verdoppelten ihre Zahl der Landräte von 14 auf 28. Siege gab es unter anderem in Kelheim, Donau-Ries, Rottal-Inn und Berchtesgadener Land.
Trend niedrigerer Wahlbeteiligung
Bei den Stichwahlen in den drei größten bayerischen Städten war die Wahlbeteiligung niedriger als bei den Kommunalwahlen vor zwei Wochen. Endgültige Zahlen stehen zwar noch aus, doch zeichnet sich bereits ein Trend niedrigerer Beteiligung ab. In München lag diese um 16:30 Uhr bei 41,4 Prozent, was 6,6 Prozentpunkte weniger sind als zuvor. In Nürnberg gaben bis 16:00 Uhr 40,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, 5,4 Prozentpunkte weniger als im ersten Wahlgang. In Augsburg war der Rückgang besonders stark: Nur 17,5 Prozent der Wahlberechtigten hatten um 16:00 Uhr abgestimmt, ein Rückgang um 12,8 Prozentpunkte.
Kuriositäten, knappe zw. klare Entscheidungen und Besonderheiten
Klare Siege: Der neue Landrat von Rottal-Inn, Martin Koppmann (Freie Wähler), erzielte einen deutlichen Wahlsieg gegen den Amtsinhaber Michael Fahmüller (CSU) mit 79 zu 21 Prozent. Ähnlich deutlich gewann Marco Meier, ebenfalls von den Freien Wählern, in Ansbach mit 78,4 zu 21,6 Prozent gegen den amtierenden Landrat Jürgen Ludwig (CSU). Zwei überraschend deutliche Ergebnisse, wenn man bedenkt, dass zuvor eine Stichwahl nötig geworden war.
Knappe Entscheidung im Landkreis Aichach-Friedberg: hier wurde die Wahl durch nur 22 Stimmen entschieden, wobei Marc Sturm (FW - 27.300 Stimmen) knapp vor Peter Tomaschko (CSU - 27.278 Stimmen) lag. In Kelheim betrug der Unterschied sogar nur 10 Stimmen, wo Dennis Diermeier (FW - 3.532 Stimmen) gegen Christian Schweiger (CSU - 3.522 Stimmen) siegte. Insgesamt gingen fünf Stichwahlen mit weniger als einem Prozentpunkt Vorsprung aus: Die Bürgermeisterwahl in Kelheim, die Landratswahl in Neumarkt in der Oberpfalz, die Bürgermeisterwahl in Hilpoltstein und die Oberbürgermeisterwahl in Germering.
Insgesamt erzielten die Freien Wähler und eine parteifreie Wählervereinigung die fünf höchsten Wahlsiege, während die CSU die fünf stärksten Niederlagen erlitt, davon einmal im Bündnis mit der Jungen Union und viermal mit weniger als einem Viertel der Stimmen.
Nach mehr als drei Jahrzehnten im Amt: Frank Rebhan (SPD), der seit 1995 als Oberbürgermeister von Neustadt bei Coburg amtierte, verliert seinen Posten an Dominik W. Heike (CSU), der mit 59,9% der Stimmen gewann.
Olympischer Glanz im Rathaus: Der ehemalige Rennrodler und Olympiasieger Alexander Resch (CSU) wurde mit 53,2% der Stimmen zum Bürgermeister von Berchtesgaden gewählt.
In Aschaffenburg übernimmt nach dem Sieg über Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) erstmals seit 1970 nicht nur wieder ein CSU-Politiker das Bürgermeisteramt, sondern mit ihm auch der bisherige Chef der Kriminalpolizei Aschaffenburg: Markus Schlemmer (CSU - 56,3 %)
Die wichtigsten Trends der Wahl 2026
1. Der „Amtsbonus“ wackelt
Früher galten amtierende Bürgermeister und Landräte als fast unbesiegbar. 2026 zeigt: Die Wähler sind kritischer. In Städten wie Erlangen, Aschaffenburg und Kelheim müssen langjährige Amtsinhaber in die Stichwahl. In Garmisch-Partenkirchen wurde die amtierende CSU-Bürgermeisterin Elisabeth Koch sogar direkt abgewählt.
2. Die Junge Union (JU) als Wahlsieger
Ein deutlicher Trend zur Verjüngung: Die Junge Union trat mit über 100 eigenen Listen an und konnte ihre Mandate massiv ausbauen. In den Kreistagen verdoppelten sie ihre Sitze auf 83, in den Gemeinderäten gab es sogar eine Verdreifachung auf 122 Sitze.
3. Frauenanteil stagniert
Trotz großer Kampagnen im Vorfeld blieb der erhoffte „weibliche Ruck“ weitgehend aus. Der Frauenanteil in den Gemeinderäten liegt weiterhin bei nur etwa 22 bis 28 %. In manchen Gemeinden (wie Sonnen im Kreis Passau) sitzt nach wie vor nur eine einzige Frau im Rat.
4. Buntere, aber schwierigere Parlamente
Da es auf kommunaler Ebene keine Fünf-Prozent-Hürde gibt, sind die Gremien so vielfältig wie nie. In München, Augsburg und Bamberg sind jeweils 13 verschiedene Gruppierungen in den Stadtrat eingezogen. Das macht die Bildung stabiler Mehrheiten komplizierter.