
Kinotipp: Extrawurst
Der Arabella Bayern Kinotipp als Podcast
Eigentlich könnte es ein ganz entspannter Abend im Clubhaus des Tennisclubs Lengenheide werden. Die Sonne steht tief, die Stimmung ist gut und die Jahreshauptversammlung neigt sich dem Ende zu. Der langjährige Vorsitzende Heribert (Hape Kerkeling) und sein Vize Matthias (Friedrich Mücke) haben die Tagesordnung fast abgearbeitet. Einziger verbleibender Punkt: Die Anschaffung eines neuen Grills für die Vereinsfeste. Ein schickes Profigerät soll es sein, damit die Würstchen künftig noch besser schmecken. Reine Formsache, oder?

Doch als Melanie (Anja Knauer) den gut gemeinten Vorschlag macht, einen separaten Grill für Erol (Fahri Yardım) anzuschaffen, bricht das Chaos los. Erol ist das einzige muslimische Mitglied im Club, und religiöse Vorschriften verbieten es ihm, seine Sucuk auf denselben Rost zu legen, auf dem gerade das Schweinenackensteak brutzelt. Was als Akt der Toleranz beginnt, entpuppt sich als Zündschnur für ein hochexplosives Gemisch aus Vorurteilen, falsch verstandener politischer Korrektheit und tief sitzenden Ressentiments.


Besonders der scharfzüngige Torsten (Christoph Maria Herbst) lässt keine Gelegenheit aus, die Diskussion mit zynischen Kommentaren anzuheizen. Schnell geht es nicht mehr nur um Grillgut, sondern um Integration, Glaubensfragen und die Frage, wer hier eigentlich wem welche „Extrawurst“ brät. Regisseur Marcus H. Rosenmüller liefert mit dieser Verfilmung des gleichnamigen Theater-Hits eine messerscharfe Gesellschaftssatire ab. Mit einem Star-Ensemble, das sich mit sichtlicher Spielfreude gegenseitig die Bälle zuspielt, hält „Extrawurst“ uns den Spiegel vor – pointiert, entlarvend und verdammt komisch. Ein Muss für alle, die über den alltäglichen Wahnsinn des Miteinanders lachen können.