
Bergrettung hautnah: Neue Staffel von ARD-Doku
Verwackelte Bilder, ein Blick in schwindelnde Tiefe - der Hubschrauber fliegt auf das Zugspitzmassiv zu. Wieder einmal gibt es an Deutschlands höchstem Berg einen Notfall. Die Bergwacht ist ausgerückt. Eile ist angesagt.
Was erst nach der eher einfachen Abholung eines leicht verletzten Touristen und seiner Begleiter klingt, eskaliert am Ende zu einem auch für die Retter gefährlichen Akt. Um den Einsatz mitten in einem Wetterumschwung und mit einem Notfall im Notfall geht es in der ersten Folge der neuen Staffel der ARD-Dokuserie «In höchster Not – Bergretter im Einsatz».
Die zweite Staffel ist jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen (Start 6. Mai) und soll an den Erfolg der ersten Staffel anknüpfen, die seit der Veröffentlichung vor gut einem Jahr fast sieben Millionen Mal abgerufen wurde. Die ersten beiden Folgen sollen am 18. Mai auch im Ersten ausgestrahlt werden.
Kameras mitten im Geschehen
Die Kamera ist hautnah dabei, wenn die Bergretter starten: Sie tragen teils Bodycams und 360-Grad-Kameras am Helm oder an Fahrzeugen - und nehmen das Publikum so direkt mit in unwegsames Gelände, in Fels und Eis. Neben den Bergwachten aus Ramsau und Grainau ist in der neuen Runde auch die Bergwacht Bad Reichenhall beteiligt.
Die acht neuen Folgen bilden laut Ankündigung die Bandbreite alpiner Rettungseinsätze ab. Dazu zählen Stürze in Gletscherspalten, eine nächtliche Rettung im Schneesturm, Einsätze bei großer Hitze sowie die Rettung eines Hundes - laut Bergwacht Bayern mittlerweile ein «wiederkehrendes Einsatzszenario».
Auch veränderte Bedingungen im Gebirge wie unberechenbares Gletschereis und schnelle Wetterumschwünge spielen in den neuen Folgen eine Rolle. Mit der Klimaerwärmung wandeln sich auch die Bedingungen für Bergsteiger.
Zwischen Ethik und Extremsituationen
Produziert wurde die Dokuserie von Timeline Production im Auftrag des Bayerischen Rundfunks (BR). Sie ist nach BR-Angaben eine der aufwendigsten Doku-Produktionen für die ARD-Mediathek.
Die Berg-erfahrenen Kamera-Teams waren den Produzenten zufolge in der Regel am Boden dabei, im Helikopter war für sie meist kein Platz. Alle gezeigten Personen hätten ihr Einverständnis gegeben.
Wenn das nicht eingeholt werden konnte, seien Szenen teils mit Unkenntlichmachung verwendet worden, teilten die Produzenten mit. Einsätze mit besonders tragischem Ausgang seien sehr zurückhaltend behandelt worden, um Betroffene oder deren Angehörige nicht zusätzlich zu belasten.
Einsatzzahlen steigen
Die Beispiele sind auch eine Mahnung zu Vorsicht und verantwortungsvoller Planung an alle, die zum Beginn der Wandersaison derzeit wieder in die Berge aufbrechen. Denn die Bergwacht Bayern hat schon jetzt alle Hände voll zu tun.
Mehr als 9.000 Mal rückten die Bergretter laut Sprecher Roland Ampenberger im vergangenen Jahr aus - fast 1.000 Mal mehr als im Jahr 2023. Vor allem die Zahlen der Sommereinsätze zeigten seit zehn Jahren nach oben. «Berge sind keine normierten Räume wie wir sie aus dem Tal oder der Stadt kennen», mahnt Ampenberger.
Die rund 4.000 Retter der Bergwacht Bayern sind ausschließlich ehrenamtlich unterwegs. Ohne sie ginge am Berg nichts. Die Kameradschaft, die Vielfalt der oft sehr anspruchsvollen Einsätze: «Es ist etwas Besonderes», erklärt ein Retter in der Doku sein Engagement.
Komplexer Einsatz am Höllentalferner
Gleich zum Auftakt der zweiten Staffel zeigt die Serie den komplexen Einsatz am Höllentalferner, einem der vier letzten deutschen Gletscher. Ein Gewitter zieht plötzlich auf. Blitz, Hagel und Steinschlag bedrohen Bergsteiger und Retter. Der Helikopter kann nicht mehr fliegen - und dann rutscht vor den Augen der Retter auch noch ein Bergsteiger in eine Gletscherspalte.
Nun haben auch zwei andere Bergsteiger, die gerade noch mutig Hilfe ablehnten, Angst bekommen - und wollen ausgeflogen werden. Sieben Menschen sind es am Ende, die unter schwierigen Bedingungen gerettet werden müssen.
Social-Media-Hype und Selbstüberschätzung
Outdoor liegt im Trend, immer mehr Menschen zieht es in die Berge. Beschreibungen von Touren im Internet und auf Social Media locken. Doch wer dem blindlings folgt, kann sich in Gefahr bringen. Auch fehlende Kondition und mangelnde Kenntnis alpiner Gefahren führen immer wieder zu Notfällen - im Netz sieht alles so einfach aus.
«Vor allem an berühmten Bergen und Klettersteigen führt das Thema Selbstüberschätzung regelmäßig zu Einsätzen», sagt Ampenberger. Allein die Bergwacht Grainau - zuständig für die Zugspitze - zählte in der vergangenen Sommersaison 97 Einsätze, ein Drittel mehr als im Jahr davor. «Am Berg gibt es keinen doppelten Boden wie beim Joggen im Stadtpark», warnt Ampenberger. Man könne die Tour nicht einfach abbrechen, sondern müsse den Rückweg einplanen.
«Der Berg ist immer der Chef»
«Der Berg ist kein Spielzeug und auch kein Fitnessgerät. Heutzutage wird das gern mal ein bissel vergessen» - so fasste es ein Bergretter in der ersten Staffel zusammen. «Der Berg ist immer der Chef, und er verzeiht halt auch keinen Fehler.» Dennoch rät die Bergwacht zum Notruf, wenn es brenzlig wird. «Es kann immer was passieren, aber genau dafür ist die Bergwacht ja dann auch da.»
Quelle: dpa
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